Die unsichtbaren Kosten des Selfpublishings
Selfpublishing hat einen großen Vorteil: Autoren können ihr Buch selbst veröffentlichen, ohne einen klassischen Verlag im Rücken zu haben. Viele verbinden damit vor allem eines: niedrige Kosten.
Doch ganz kostenlos ist die Veröffentlichung eines Buches natürlich nicht. Neben offensichtlichen Ausgaben wie Lektorat, Cover oder Buchsatz gibt es zahlreiche Kosten, die leicht übersehen werden. Und eine davon wird besonders häufig unterschätzt: die eigene Zeit.
Die eigene Arbeitszeit wird schnell vergessen

Wer sein Buch selbst veröffentlicht, übernimmt viele Aufgaben, die bei einem Verlag andere Mitarbeiter erledigen.
Man schreibt nicht nur das Buch. Dazu kommen beispielsweise:
- Recherche und Überarbeitung
- Kommunikation mit Lektorat und Coverdesigner
- Formatierung
- Erstellung von Klappentext und Metadaten
- Upload auf verschiedene Plattformen
- Werbung und Social Media
- Newsletter und Leserkommunikation
Jede einzelne Aufgabe dauert vielleicht nur eine Stunde. Zusammengenommen können daraus jedoch viele zusätzliche Arbeitsstunden werden.
Die eigene Zeit kostet zwar kein Geld auf dem Konto, ist aber trotzdem eine Ressource.
„Ich mache das einfach selbst“

Gerade am Anfang versuchen viele Selfpublisher, möglichst viel selbst zu erledigen. Das ist nachvollziehbar und kann Kosten sparen.
Doch nicht jede Aufgabe sollte automatisch selbst übernommen werden.
Ein professionelles Cover selbst zu gestalten, obwohl man keine Erfahrung mit Grafikdesign hat, kann beispielsweise viele Stunden kosten. Dasselbe gilt für Buchsatz, Werbeanzeigen oder die technische Formatierung eines E-Books.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: „Was kann ich selbst machen?“
Sondern auch: „Ist meine Zeit dafür sinnvoll eingesetzt?“
Kleine Ausgaben summieren sich

Neben den großen Posten gibt es zahlreiche kleinere Ausgaben, die einzeln kaum ins Gewicht fallen.
Vielleicht benötigen Sie ein bestimmtes Programm für die Buchgestaltung, bezahlen eine Website, nutzen Newsletter-Software oder investieren regelmäßig in Werbeanzeigen.
Auch Stockfotos, Schriftlizenzen oder zusätzliche Dienstleistungen können hinzukommen.
Jede Ausgabe für sich ist überschaubar. Über ein ganzes Jahr betrachtet kann daraus jedoch ein beträchtlicher Betrag werden.
Marketing ist kein einmaliger Kostenpunkt

Ein weiterer Kostenfaktor wird häufig unterschätzt: die Vermarktung.
Ein Buch zu veröffentlichen bedeutet nicht automatisch, dass es gefunden wird. Wer Leser erreichen möchte, muss häufig auch nach der Veröffentlichung Zeit und Geld investieren.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Werbeanzeigen
- Buchaktionen
- Newsletter-Marketing
- Social-Media-Aktivitäten
- Kooperationen
- professionelle Werbemittel
Besonders bei Werbeanzeigen sollte regelmäßig überprüft werden, ob die Investition tatsächlich etwas bringt. Nicht jede Werbung führt automatisch zu Verkäufen.
Auch die nächste Veröffentlichung kostet

Selfpublisher denken häufig in einzelnen Büchern. Wirtschaftlich sinnvoller kann es jedoch sein, das gesamte Autorenprojekt zu betrachten.
Wer beispielsweise für jedes Buch ein neues Cover, ein neues Werbekonzept und neue Software benötigt, hat andere Kosten als jemand, der mit einer langfristigen Strategie arbeitet.
Auch eine Serie kann hier Vorteile bieten: Einmal aufgebaute Lesergruppen, Newsletter oder Werbestrukturen können für weitere Veröffentlichungen genutzt werden.
Eine einfache Kostenübersicht hilft

Wer wissen möchte, ob sich das eigene Selfpublishing tatsächlich lohnt, sollte nicht nur die Einnahmen betrachten. Erstellen Sie für jedes Buch eine einfache Übersicht mit:
Direkten Kosten: Lektorat, Korrektorat, Cover, Buchsatz und weitere Dienstleistungen.
Marketingkosten: Werbung, Aktionen und Werbematerial.
Laufenden Kosten: Software, Website, Newsletter und andere Abonnements.
Zeitaufwand: Schreiben, Überarbeiten, Veröffentlichung und Vermarktung.
Gerade der letzte Punkt wird häufig vergessen.
Fazit
Selfpublishing kann eine kostengünstige Möglichkeit sein, ein Buch zu veröffentlichen. Es bedeutet aber nicht, dass keine Kosten entstehen.
Wer nur auf Rechnungen und Kontobewegungen schaut, unterschätzt schnell den tatsächlichen Aufwand.
Deshalb lohnt es sich, regelmäßig Bilanz zu ziehen: Welche Ausgaben entstehen? Wie viele Stunden investiere ich? Und welche Aufgaben bringen tatsächlich etwas?
Denn beim Selfpublishing ist nicht nur Geld eine wichtige Ressource – sondern auch Zeit.